Medienecho │ UniReport
»Über Erzählungen eine gemeinsame Welt teilen«
Der Politikwissenschaftler Dr. Nojang Khatami erforscht, wie die liberalen demokratischen Ordnungen mit einem stärkeren Ethos der Solidarität belebt werden können
UniReport der Goethe-Universität Frankfurt, Nr. 1, 09.02.2023, S. 16.
Zu den bekanntesten Ansätzen, die sich mit der Frage der Solidarität in von großer Vielfalt geprägten Gesellschaften befassen, gehören der Multikulturalismus, die deliberative Demokratietheorie sowie die Staatsbürgerschafts- und Migrationsstudien. Diese Ansätze betonen im Großen und Ganzen
Normen wie Inklusion, Anpassung und Respekt vor der Vielfalt im Rahmen der Rechte und Pflichten, die Bürgerinnen und Bürger untereinander haben. Diese Theorien enthalten zwar wertvolle Einsichten, die häufig in Form von Normen und politischen Maßnahmen umgesetzt werden, doch sie alle neigen dazu, die Art und Weise zu übersehen – oder zumindest herunterzuspielen –, in der marginalisierte Bevölkerungsgruppen entmachtet oder dominiert bleiben können, selbst wenn sie formal als Teil des Demos einbezogen werden. Ich glaube, dass wir hier entscheidende Maßnahmen ergreifen müssen, um unsere liberalen demokratischen Ordnungen mit einem stärkeren Ethos der Solidarität zu erfüllen, indem wir die Bürger durch Erzählungen auf das Leben anderer einstimmen.